Alberto Martinez 1950-2009 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 04. Dezember 2009 um 13:14 Uhr

Als die Nachricht vom Tod von Alberto Martinez eintraf, meldeten sich innerhalb kurzer Zeit einige alte Anhänger, die ihre Erinnerungen teilen wollten, denen es offensichtlich ein Bedürfnis war, über den ewig lächelnden Burschen aus Uruguay sprechen zu können. Wer kann sagen, ob Alberto Martinez wußte, welchen tiefen Eindruck er in Wien hinterlassen hatte. Es war als junger Mann des Geldverdienens wegen nach Österreich gekommen, wollte aber immer in die Heimat zurück, war gleichzeitig für die ihm erwiesene Gastfreundschaft ehrlich dankbar. Wienerisch konnte er nie, den Wiener Schmäh beherrschte er bald.

 

 

Alberto Martinez liebte den Ball, der Ball liebte ihn, wollte von ihm gestreichelt, nicht getreten werden, flog ihm zu, sprang nicht angstvoll vor ihm davon. Die Trauer um ihn wird von der Sentimentalität begleitet, die uns in die große Zeit des Toten zurück führt. Erich Hof war der Trainer, rauchte, philosophierte, schwieg, rauchte, philosphierte, schwieg, lebte vor allem, war noch da. Karl Brauneder und Alfred Drabits kamen als blutjunge Spieler zu ihren ersten Einsätzen, schienen die Fußballwelt niederzureißen. Als Libero spielte für ein letztes "Hurrah" der "Steife", Norbert Hof. Martinez, Ritter, Starek im Mittelfeld, wie konnte das eigentlich gut gehen? Wer verteidigte damals? Ah ja, Norbert Lichtenegger, Fels oder Abgrund der Abwehr, wer will heute noch darüber urteilen. Müllner und Samer als offensive Außendecker, Larionows als Sturmtank. Es entstand ein Königreich der alten Hasen, die die Jungen und sich selbst zum sensationellen Vizemeister-Titel trieben. Während Gustl Starek ebenso charmant wie verrufen sein konnte, jederzeit in der Lage war, den zornigen Gassenbuam von der Simmeringer Had zu geben, ließ sich Alberto Martinez durch nichts aus der Ruhe bringen, zeichnete ihn seine gelassene Fröhlichkeit aus. Wie sehr muß er aber nach dem Ende seiner Karriere unter dem frühen Tod des einen Sohnes gelitten haben, wie schwer mag es für ihn gewesen sein, mit seiner Herzkrankheit zu leben? Und doch fiel ihm am Ende wieder alles ganz leicht, gelang ihm der letzte Paß, der Schritt hinüber ohne Kampf, öffnete sich ihm, dem Schlafenden, der freie Raum wie von selbst. Vielleicht träumte er gerade, vielleicht von früher, vielleicht vom Sport-Club, nein, anders herum, so ist es richtig: Der Sport-Club träumte von ihm ..........